1270 – 1406
Gründung und Ausbau der Stadt
Die um 1250 westlich der Ilmenau bestehende Siedlung erhielt vom Landesherrn
Herzog Johann von Braunschweig am 13. Dezember 1270 die Stadtrechte, mit
denen die Rechts- und Besitzansprüche der Bürger geklärt wurden. Für das
städtische Leben bedeutete dieses Stadtprivileg die Einrichtung des Marktrechts,
das Recht, die Stadt mit einem Mauerring zu sichern und die Definition der
juristischen Grundlagen, nämlich die Rechtsprechung.
Das Privileg vom 9. März 1371 sicherte den Bürgern Besitz und Nutzung des
Stadtwaldes und den Kaufleuten die Zollfreiheit im Lüneburger Land zu.
Die historischen Anfänge der Stadt Uelzen sind durch Recht und Besitz eng mit
dem 973 gestifteten Kloster Oldenstadt östlich der Ilmenau verknüpft.
Für die 1292 erfolgte Stiftung der Pfarrkirche St.-Marien in Uelzen war
an den Abt des Klosters Oldenstadt eine Ablösesumme zu zahlen. Das Bauwerk der
St.-Marien-Kirche wurde dann in etwa einem Jahrhundert errichtet und bildete das
Zentrum der Seelsorge. Der Sitz der weltlichen Verwaltung der bald voll
ausgebauten Stadt war das 1347 errichtete Rathaus im Stadtzentrum. Hier
residierte anfänglich der siebenköpfige Magistrat mit dem Bürgermeister an der
Spitze.
Die Kapelle zum Großen Heiligen Geist wurde 1322 geweiht.
Mit dieser Einrichtung übernahmen Rat und Geistlichkeit in der Stadt Uelzen die
Versorgung und Pflege der Armen und Alten, deren wirtschaftliche Existenz auf
„Milde Stiftungen“ angewiesen war, da bis in die Neuzeit hinein jede Art von
Sozialversicherung fehlte.
14. – 16. Jahrhundert
Die Zeit der Hanse
Uelzen gehörte mit Lüneburg dem sächsischen und wendischen Quartier der
Städtehanse an, einem losen Verbund von Städten, die untereinander und im
gemeinsamen Interesse Handelsbeziehungen zu den Städten Europas aufnahmen. Am
31. Oktober 1476 wurde ein starkes Bündnis geschlossen, dem folgende
Städte angehörten: Lübeck, Bremen, Hamburg, Rostock, Stralsund, Lüneburg,
Stade, Magdeburg, Einbeck und Uelzen.
Die (Fern)handelsprodukte der Stadt Uelzen waren Tuche, auch Pelze
und vor allem die typischen Produkte der Lüneburger Heide wie Wachs, Honig
und Holz. Der Schnellenmarkt, ein freier Platz am Ende des
Zusammenlaufs mehrerer Straßen im nordöstlichen Quartier der Stadt, war der
Stapelplatz auch von Töpferwaren und Tuchen (Namensgeber war die „Siegburger
Schnelle“, ein Bierkrug-Modell aus dem Rheinland).
Die Zünfte und Gilden, in Uelzen „Ämter“ genannt, konstituierten sich im
Wesentlichen seit dem 14. Jahrhundert und übten ihre Ämter durchgehend bis ins
17. Jahrhundert aus. Von Bedeutung waren die Kramer (Kaufleute),
Schmiede, Gerber, Knochenhauer, Leineweber und Schneider, letztgenannte
wegen des örtlichen Flachsanbaus.
16. Jahrhundert
Zeitalter der Reformation
Landesherr und Welfenherzog Ernst aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg
wurde am 26. Juni 1497 in Uelzen geboren. Geburtshaus war das herzogliche
Gebäude an der Pastorenstraße. Dazu gehörte ein Herzogenhof an der
Stadtmauer zur Ilmenau hin, der ein Wirtschaftshof – eine so genannte Ökonomie –
war. Von hier aus wurde der Landesherr versorgt, wenn er in der Stadt weilte.
Hier standen auch seine Pferde. So kann eine gewisse Hofhaltung angenommen
werden. Als der junge Herzog Ernst 1527 die Reformation durchführte, fiel ihm
der Oldenstädter Klosterhof zu, der Sitz des angesehenen
und reichen Klosters Oldenstadt. Der Klosterhof grenzte an die um 1400
errichtete Propstei gegenüber dem Westportal der St.-Marien-Kirche an. Fortan
war dieses Gebäude-Ensemble Sitz des Herzogs während seiner Aufenthalte in
Uelzen.
17. Jahrhundert
Krieg – Stadtbrand – Wiederaufbau
Die Pestgänge, die im 16. Jahrhundert ganz Europa heimsuchten und die
Bevölkerung fast um die Hälfte reduzierten, waren Ursache für einen allgemeinen
wirtschaftlichen Niedergang. In Uelzen starben allein 1597 durch die große
Pest 510 Menschen.
Während der Ereignisse des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) zogen im Jahr
1635 plündernde und marodierende schwedische Truppen durch das Land und suchten
auch Uelzen heim. Sie erpressten vom Magistrat und den Bürgern 13 000
Reichstaler.
Kurz vor Ende des Krieges entstand am 20. September 1646 durch Unvorsicht
einer Frau im Mühlenviertel ein Hausbrand, der sich schnell zum Flächenbrand
ausweitete und drei Fünftel der Stadt zerstörte. Auch der Turmhelm der
St.-Marien-Kirche wurde ein Opfer der Flammen. Er wurde erst 1678 durch
einen barocken Turmhelm mit Kupferhaut ersetzt.
Die Brandkatastrophe erregte in deutschen Landen großes Mitleid, die
Nachbarstädte Braunschweig und Celle spendeten 578 Taler für den Wiederaufbau.
Die ehemals in Backstein errichtete Stadt wurde in Fachwerk wieder aufgebaut,
wie es eindrucksvoll an der Fassade der Ratsweinhandlung sichtbar ist. Auch die
Kirchturmspitze war ein Raub der Flammen geworden. Der Wiederaufbau der Stadt
war im Wesentlichen Ende des 17. Jahrhunderts beendet.
18. Jahrhundert
Die Stadt verändert ihr Gesicht
Von 1650 bis 1750 verdoppelte sich die Zahl der Bewohner annähernd von 1200
auf 2200. Bis 1850 wuchs die Zahl auf 3500 an. Das bedeutete eine Erweiterung
des Stadtgebietes. Ende des 18. Jahrhunderts wurde nach Ratsbeschluss ein Teil
der Befestigungsanlagen der Stadtmauer und der Tortürme eingerissen und verbaut.
Auch die beiden inneren Stadtgräben wurden eingeebnet. Auf dem neu entstandenen
Grüngürtel, der heutigen Ringstraße, errichteten wohlhabende Familien ihre
Vorstadtvillen.
Mit dieser Erneuerung ging auch eine erste statistische Erhebung einher. Der
Ratsdiener Christian Flohr verfasste 1756 das erste amtliche
Adress- und Handbuch, in das er die Straßennamen, die Einwohner, ihre
Wohnadressen und ihren Stand aufnahm.
Es war das Jahrhundert, in dem das Schul- und Bildungswesen aufblühte: Propst
Lucas Backmeister gründete 1720 an der Achterstraße eine teutsche Schule.
Es war die erste Volks- und Bürgerschule
in Uelzen, in der kein Latein, stattdessen die
Fächer Lesen, Schreiben und Rechnen in deutscher Sprache gelehrt wurden.
19. Jahrhundert
Ausbau der Verwaltung – Zeitungswesen – Verkehrswege – Gewerbe
Am 1. April 1885 wurden die alten Ämter als Verwaltungseinheiten aufgelöst.
Es entstand der Kreis Uelzen, dessen Verwaltungszentrum die Stadt Uelzen
wurde. Damit war Uelzen kreisfreie Stadt mit kommunaler Selbstverwaltung
und zugleich Sitz der Kreisverwaltung geworden. In rechtlichen Angelegenheiten
musste nun das Amtsgericht in Uelzen befragt werden.
1849 gab Freiherr von Hammerstein das Sonntags-Wochenblatt für den Landmann
im Fürstentum Lüneburg heraus und im selben Jahr erschien in der Stern’schen
Filialdruckerei die erste Nummer der Nachrichten für Uelzen und Umgebung.
Diese Zeitung war der Vorläufer der Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide,
die seit 1911 erscheint und im Besitz der Familie Becker ist.
1847 wurde die Bahnlinie Hannover/Lehrte – Hamburg/Harburg und 1900 die Linie
nach Braunschweig eröffnet.
Unternehmen wurden gegründet: 1872 die Dachbahnenfabrik C. Hasse – 1878
die Asbest- und Kieselgurwerke – 1883 die Zuckerfabrik Uelzen Aktiengesellschaft.
Anfang des 20. Jahrhundert wurden die Städtischen Werke gegründet: 1908
das Elektrizitätswerk – 1911 das Gaswerk – 1912 das Wasserwerk.
20. Jahrhundert
Stadtsanierung und wirtschaftlich-kultureller Ausbau
Am 13. Mai 1985 beschloss der Rat der Stadt Uelzen die Sanierung der
Innenstadt mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2000. Mit Zuschüssen des Landes
Niedersachsen wurden folgende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt:
Straße, Wege und Plätze wurden als verkehrsberuhigte Zonen ausgewiesen, um die
Lebensqualität der Bürger zu verbessern und die Kommunikation zu fördern („Hotel
Stadt Hamburg“-Passage, Achterstraße).
Das neue Rathaus wurde gebaut, der Herzogenplatz wurde in ein Forum für Märkte
und Veranstaltungen umgewandelt.
Private Bausanierungen wurden mit öffentlichen Mitteln mit dem Ziel gefördert,
den Wohnwert zu steigern und die Stadt zu verschönern.
Ein entscheidender Schritt in die Zukunft war die Umgestaltung des Bahnhofs
durch den Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser. Das Gebäude wurde
im Expo-Jahr 2000 fertig gestellt und eingeweiht. Das Reise- und
Kommunikationszentrum ist Ausstellungsort und Forum für kulturelle
Veranstaltungen. Seit der Eröffnung verzeichnet der Hunderwasser-Bahnhof
Uelzen kontinuierlich steigende
Besucherzahlen. Als touristische Attraktion ist er zum wichtigen
Wirtschaftsfaktor geworden. Im Jahr 2002 wurde die metronom
Eisenbahngesellschaft in Uelzen gegründet. In den Jahren 2002 bis 2004 erfolgte
der Ausbau der Kulturmeile in der Uelzener Innenstadt sowie die Illumination des
historischen Kernbereiches - Altes Rathaus, Uhlenköperdenkmal,
St.-Marien-Kirche, Kirchplatz, Probstei, Tuchmacherhaus, Stadtgraben von der
Hoefftstraße bis zur Taubenstraßen - nach Plänen des Lichtkünstlers
Michael Batz von 2003 bis 2005.
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Akten, Quellen und
historische Dokumente der Stadt Uelzen finden Sie im
Stadtarchiv
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1270 – 1406
Merianstich von 1654: Ansicht der Stadt Uelzen von Osten nach Westen mit der Gertrudenkapelle vor den Toren der Stadt im Bildvordergrund.
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